Leute, ich habs voll drauf. Ich kann meine Schnürsenkel alleine binden! Schaut her, ich zeig euch mal wie man das richtig macht!
Ja, so eine Zeit gab es mal bei jedem Menschen, nämlich als man als Kind diese Fähigkeiten neu gelernt hat. Man war tierisch stolz darauf und wollte es auch allen zeigen was für ein Wahnsinns Kind man war. Heute ist das Schuhbinden eine sogenannte unbewusste Kompetenz bei den meisten erwachsenen Menschen. So ähnlich verhält es sich auch mit dem Feuer machen, zumindest bei Leuten welche schon öfters Outdoor mäßig unterwegs waren. Sich auf einer Kanu oder Trekkingtour das richtige Material zusammen zu suchen, und mal schnell ein gemütliches Lagerfeuer zum Wohlfühlen und Kochen entzünden, ist für erfahrene Outdoor´ler ein Basis Wissen über was nicht mehr bewusst nachgedacht wird. Man tut es einfach.

 

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Das richtige Holz für das Lagerfeuer

Outdoor Basiswissen wie, ein Lagerfeuer mit Hilfe von Birkenrinde zu entzünden ist so ziemlich das erste was man lernt wenn man seine erste Tour mit Übernachtung unternimmt. Hat man einen geeinigten Lagerplatz gefunden, wird das Camp eingerichtet. Ein Teil dieser Aufgaben davon ist, genügend Holz für das Lagerfeuer zusammen zu suchen und eben ein Feuer anzuzünden. Unter Umständen muss man hierbei länderspezifische oder lokale Regeln beachten, siehe hierzu: Das Jedermannsrecht in Schweden, Finnland und Norwegen. Aber grundsätzlich gilt immer folgendes: Man nimmt nur totes Holz! Äste von lebenden Bäumen und Sträuchern sind, abgesehen von Notsituationen, absolutes Tabu. Zudem soll man vermeiden neue Feuerstellen einzurichten. In den meisten Fällen sind am Ufer schon Lager- bzw. Feuerstellen vorhanden. Diese sollten man für sein Nachtlager auch nutzen.

 

Das richtige Holz zu finden ist nicht immer einfach, aber nach einiger Zeit lernt man das geeignete Holz in der Umgebung aufzuspüren. Klar ist, das es möglichst trocken sein sollte. Nach ein paar Regenschauern ist das Holz in der Umgebung zumeist nass, allerdings ist dies meistens nur oberflächlich. Wenn Totholz mal richtig trocken war, so dauert es sehr lange bis es wieder durchgängig nass wird. Oberflächlich nasses Holz kann man gut mit zum Lagerplatz nehmen und dort verwenden. Verschiedenen Hölzer haben verschiedenen Brenneigenschaften.
Birke, Fichte, Kiefer und Lärche sind leicht brennbare Hölzer, allerdings bilden sie wenig Glut. Buche, Eiche und Esche hingegen bilden viel Glut, brennen aber langsam. Nadelhölzern wie Kiefer, Fichte und Tanne haben einen hohen Harzgehalt. Daher „knallt“ es immer mal wieder wenn diese verbrennen. Dabei kann es passieren das glühende Holzstückchen aus dem Feuer fliegen. Wenn Schlafsäcke, Isomatten und Kleidungstücke zu nahe am Feuer liegen kann man sich Brandlöcher in der Outdoor Ausrüstung holen über welche man nicht gerade glücklich ist. Ebenso können diese Glut-Springer auch etwas in Brand setzten. Auf diese Gefahrenquelle sollte man unbedingt achten. Generell ist ein Lagerfeuer etwas was eine gewisse Verantwortung voraussetzt. Man muss ja nicht unbedingt als der Lagerfeuer Trottel zur Berühmtheit werden.

 

Holz sammeln 1 Holz sammeln 2 Holz sammeln 3

 

Die verschiedenen Holzarten haben zwar verschiedene Brenneigenschaften, aber heraussuchen kann man es sich sowieso selten. Es geht meistens nur darum das trockene Holz in der Umgebung zu finden, an den Lagerplatz zu schleifen und dort in geeignete Stück zu zerlegen (Axt, Beil und Säge). Nach einigen Lagerfeuern hat man gelernt „gutes“ von „schlechtem“ Feuerholz zu unterscheiden. Morsches Holz ist meistens total unbrauchbar, das brennt nur etwas nachdem es eine Woche unter der knall heißen Augustsonne gelegen ist. Das Gewicht ist hier oft ein guter Anhaltspunkt. Nasses Holz hat einfach eine höre Dichte, wie gutes trockenes Holz, und ist damit schwerer. Das spürt man oft sofort beim Aufheben. Wenn es zu schwer ist lässt man es einfach zurück. Birkenholz stellte bei dieser „Schwere-Holz-Auswahl“ eine Ausnahme dar, dazu weiter unten mehr. Das sicherste Zeichen für „gutes“ Holz hört und spürt man im Übrigen. Wenn man von einem toten Baum am Boden die Zweige und Äste abbricht hört und spürt man sofort ob es gut brennt. Wenn sich die Äste noch total flexibel verhalten ist das Holz sowieso noch zu feucht da es sich noch um frisches Holz handelt. Dies erkennt man auch leicht daran wenn an den jeweiligen Bäumen noch grüne Blätter vorhanden sind, dies ist ein sicheres Zeichen das der Baum noch nicht lange in der Horizontalen liegt. Da kann man die Axt oder Säge gleich stecken lassen und sich was besseres suchen. Gutes Holz bricht mit einem kräftigen lauten Knack, nun je nach Dicke lauter oder leiser, der Klang ist aber nach einiger Zeit leicht zu erkennen.

 

Der klassische Feuerstarter / Zunder - Birkenrinde

Um das Entzünden für das Lagerfeuer richtig vorzubereiten sucht man sich von dünnen bis dicken Ästen alles zusammen. Und natürlich ein Material was als Zunder also als Feuerstarter geeignet ist, zum Beispiel Birkenrinde.

Birkenrinde enthält ätherische Öle und daher brennt sie auch noch wenn sie feucht ist. Das ist echt klasse und eben gerade bei widrigen Bedingungen hilfreich wenn man ein Lagerfeuer entzünden möchte. Am besten wählt man hierfür eine schon abgestorbene Birke aus und zupft mit den Fingern etwas von der äußeren Rinde ab. Es reichen meist wenige dünne Streifen welche man leicht mit den Fingerspitzen vom Baum abziehen kann. Wenn keine abgestorbene Birke zur Verfügung stehen kann man auch etwas von einer lebenden Birke verwenden. Dies schädigt den Baum so gut wir gar nicht. Man soll nur nicht mit einem Messer nachhelfen und tief in die Rinde einritzen. Dann ist die Gefahr groß das der Baum an diesen Schnittstelle durch Schädlingsbefall oder Austrocknung unnötig Schaden nimmt.

 

Birkenrinde als Zunder 3

Birkenbaum im Wald

Birkenrinde als Zunder 2

Abgezupfte Birkenrinde

Birkenrinde als Zunder 1

Birkenrinde als Zunder Grundlage

 

Oft weiß man ja nicht ob am nächsten Lagerplatz wieder Birken vorfindet. bzw. sich eventuell eine Situation ergibt wo man sehr zackig ein Feuer entzünden möchte. Zum Beispiel nach einer Kenterung und der Kanut nun zitternd am Ufer steht. Daher empfiehlt es sich in einem wasserdichten Beutel immer etwas Zunder (z.B. Birkenrinde) zusammen mit ein paar Streichhölzern oder Feuerzeugen am Körper zu tragen. Die Eingenschaft der Birke das sie ätherische Öle enthält wirkt sich nicht nur auf die Rinde aus. Daher kann man für ein Lagerfeuer auch frisch geschlagenes Birkenholz verwenden. Während alle anderen Holzarten sich hier schwer tun beim Verbrennen klappt das bei der Birke wunderbar.


Aufbau des Lagerfeuers

Beim Feuer entfachen zündet man zuerst den Zunder an, dieser entflammt das darüber liegende Reisig bzw. die dünnen Äste, anschließend das Holz welches immer dicker und gröber wird.
Dünne Äste bzw. Reisig, brennen schneller und daher fängt man mit diesen an. Man kann also zuerst einen Haufen machen welcher entsprechend aufgebaut ist, so das zu unterst das Material liegt welches am einfachsten brennt. Mit Hilfe eines Holz Dreibeines schichtet man nach und nach das Holz um den Zunder. Wenn alles aufgebaut ist, dann entzündet man den Zunder und die Flammen züngeln das Pyramidenfeuer nach oben.

Ein Feuer kann man allerdings auch etwas „liebevoller“ entzünden. Echte Handarbeit. Man entzündet ein Feuerstarter und dann legt man einzeln seine ausgesuchten Reisig und Holzstücke darauf. Sauerstoffzufuhr, wenn nötig, erhält das Feuer durch Pusten oder mit Hilfe des SEDEL (SEDEL ein Sitz-Wedel). Damit hat man die optimale Kontrolle über die Flammen. Zu sehen ist das Ganz im folgenden Video:

 

Video: Lagerfeuer entzünden mit Birkenrinde, Holzzweigen und SEDEL

 


Brennt das Feuer eine Weile und es ist ordentlich Glut vorhanden so hat man meistens keine Probleme mehr das Feuer in Gang zu halten. Es gibt verschiedene Arten von Feuerarten: Pagodenfeuer, Jägerfeuer, Balkenfeuer oder Grubenfeuer sind alles Feuerarten welche unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Die unterschiedlichen Eigenschaften waren für uns aber ehrlich gesagt noch nie nötig. Man „spielt“ sowieso den ganzen Abend mit dem Feuer um es in Gang zu halten. Dabei lernt man automatisch beispielsweise etwas über das unterschiedliche Brennverhalten verschiedener Holz- Stapeltechniken.

Wenn das Feuer brennt so kann man eventuelle nasse bzw. noch feuchte Holzstück am Feuerrand platzieren so das diese schon mal etwas vor- trocknen um später auf das Feuer gelegt werden zu können. Die restlichen Holzstücke platziert man an einer regengeschützten Stellen unter dem Tarp. Die Feuerstelle ist so zu wählen so das sie sich am Rande vom gespannten Tarp befindet, so dass das Feuer nicht gelöscht wird wenn es anfängt zu regnen. Siehe hierzu: Tarp / Plane - Aufbauanleitung

Wichtig ist einfach noch das man das Feuer gegen unkontrolliertes Ausbreiten schützt. Das übliche hierbei ist dabei der Steinkranz rund um die Feuerstelle oder eine entsprechende Grube. Und natürlich verlässt man niemals einen Lagerplatz ohne das Feuer komplett zu löschen. Bei Waldbrandgefahr muss auf ein Lagerfeuer verzichtet werden. In solchen Fällen kommt der Kocher zum Einsatz. Egal ob Lagerfeuer oder Kocher, wenn das Feuer brennt darf man sich mit den Outdoor Rezepten befassen: Rezepte für die Outdoor Wildnis Küche

 

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