Packrafting- und Kanutouren sind ein schönes und ziemliches sicheres Natur Erlebnis. Man sollte aber auch nicht zu unbedarft mit möglichen Gefahren umgehen. Je nach Touren Typ, Wetter und Jahreszeit sind die Gefahren unterschiedlich. Daher an dieser Stelle ein kleiner Überblick über mögliche Gefahren beim Paddeln.

Auf einer Kanu- oder Packraftingtouren sollte man versuchen folgende Dinge zu vermeiden:

1. Ertrinken

2. Sich vom Blitz treffen zu lassen

3. An Unterkühlung sterben

 

1. Ertrinken

Logisch, man ist ja ständig auf oder am Wasser daher ist die Sache mit dem Ertrinken erst einmal die primäre Gefahr.

Ganz offensichtlich ist diese Gefahr beim Befahren von Stromschnellen. Da gibt es nicht viel dazu zu sagen. Wenn man Stromschnellen befährt sollte man Schwimm- Westen, und im Idealfall auch einen Kopfschutz tragen (siehe Artikel: Schwimmweste, Rettungsweste, Schwimmhilfe | Ich will doch nur paddeln). Man übersieht einen Stein, das Kanu dreht sich, der Wasserdruck ist enorm, man wird aus dem Kanu geworfen und knallt mit dem Kopf auf einen Stein. Die Wahrscheinlichkeit das nach solch einem Vorfall der Urlaub, oder das Leben nicht vorbei sind, erhöht sich enorm wenn man Schwimmweste (und Kopfschutz) trägt. Zudem sollte man sich  im Vorhinein etwas Gedanken darüber machen wie man sich im Falle eines Kentern verhält, und spricht sich mit seinem(n) Paddel Partner(n) ab. Mehr dazu im Artikel Wildwasser / Stromschnellen befahren.

Oft liest man: „Auf einer Kanutour muss jederzeit eine Schwimmweste getragen werden“. Sicherheits- mäßig ist da überhaupt nichts dagegen einzuwenden... nur nicht immer  realistisch. Wenn zwei gesunde, erwachsene Personen 10 Meter vom Ufer entfernt, bei warmen Luft- und Wassertemperaturen, auf einem See paddeln, kann man die Dinger auch mal zur Seite legen. Man sollte sie aber sofort wieder anlegen wenn sich die Verhältnisse oder das Vorhaben auf dem Wasser ändert. Denn die Geschichte sieht ganz schnell anders aus wenn man z.B. einen großen See queren, bzw. etwas weiter weg vom Ufer paddeln möchte. Dann sollte man die Schwimmweste auch anhaben.

Gerade wenn man die ersten Male mit dem Kanadier unterwegs ist sind die Auswirkungen von Wind auf einem See erst einmal nicht ersichtlich. Blöd, wenn man die neuen Erkenntnisse mitten auf dem See gewinnt. Wind kann auf einem See richtige Wellen erzeugen, welche einen auch in Bedrängnis bringen können. Kentert man jetzt mitten auf dem See und ist ein paar hundert Meter weg vom Ufer kann es sein das man es nicht mehr bis an Land schafft. Das ist so, auch wenn hier gerade jeder Leser vor seinem Computer sitzt und sich denke: „Ich schaffe das auf jeden Fall“. Nur soviel dazu: Selbst auf dem Bodensee ertrinken Kajak / Kanu Fahrer, und dort hat es überall Menschen welche eine vorhanden Wasserschutz Polizei sofort alarmieren können. Bei einem tödlichen Unfall auf dem Bodensee im Juni, 2011 hat die Kajak Fahrerin ebenfalls kein Schwimmweste getragen.

schwimmwesten

Keine Kanutour ohne Schwimmhilfe

 

Wie gesagt, das tolle am Wildwasser ist, das es einem nicht schwer fällt, zu begreifen das es gefährlich werden kann. Bei einer Staumauer oder einem Wehr sieht man diese Gefahr nicht, und dies macht sie gefährlich. In jedem Fall sollte man eventuelle Schilder beachten welche aufgestellt sind wenn man sich beispielsweise einem Wehr nähert. Rote Absperr- Bänder, sind in den seltensten Fällen Überbleibsel vom letzten Mittsommer Fest. Und zum Schluss soll man sich auch nicht darauf verlassen das alles hundert prozentig abgesichert ist. Diese Anlangen haben eines gemeinsam: Irgendwo ist ein Abfluß. Und diese sind nicht immer sofort zu erkennen. Im Gegenteil, meist sieht man eine schöne glatte Wasseroberfläche, nichts deutet auf gefährliche Strömungen hin. Aber diese gibt es immer, und wenn man in den Sog von solch einem Abfluß mal geraten ist hat man ein ernst zu nehmendes Problem.

Daher sollte nahe am Ufer gepaddelt werden, wenn man sich solchen Anlagen nähert. Die Umgebung nach der vorgesehen, oder besten Ausstiegs Möglichkeit absuchen, und nicht unnötig an der Staumauer rumpaddeln. Manche Stauwerke öffnen uns schließen ihre Zu und Abflüsse automatisch.  Da schaut keiner vorher noch ob so ein Dubbel Touri gerade  seine Nase im Ansaugrohr stecken hat. Allerdings kann man, zumindest für Schweden, behaupten das in diesem Land sehr viel Canadier und Kajak Fahrer unterwegs sind. Die wirklich gefährlichen Bereiche sind also meistens doch recht gut gekennzeichnet bzw. abgesichert.

Wenn es heißt „ ..der Sog hat ihn nach unten gezogen“ oder „...in einen Strudel geraten und ertrunken“, so sind dies allgemeine Formulierungen. Solche gefährlichen Strömungen entstehen aufgrund von physikalischen Gesetzen innerhalb der Strömungslehre. Da gibt es Zusammenhänge zwischen der Wassermenge, Fallhöhe, Bodenbeschaffenheit und noch vieles mehr. Wenn ein paar Faktoren zusammen kommen, können Rückströmungen entstehen wo man absolut keine Chance hat. Wenn sich jemand genau dafür interessiert, kann man sich  im Internet mal umschauen oder man kauft sich ein Buch zu diesem Thema.

Dem Hobby Kanu Fahrer sollte allerdings eines klar sein: Man sieht es diesen Stellen oft nicht wirklich an wie gefährlich sie sind. Hier mal ein Link auf ein einzelnes Bild. Schaut euch dieses mal an bevor ihr weiter lest: Link extern: Dieses Bild anschauen, dann weiterlesen!

Und? Das oben verlinkte Bild ist  der Dock Street Dam am Susquehanna River in Pennsylvania. Könnte doch spaßig sein sich diese kleine Wasser Kante an dem Wehr herunter zu paddeln. Sieht machbar aus. Ach eigentlich könnte man dort auch noch baden. Nun, genau an dieser Stelle sind schon elf Kajak bzw. Canadier Fahrer ums Leben gekommen.

Nachfolgende noch ein kleine Video welches die Gefahr von Wehren bzw. die dort oft tödlich auftretenden Rückströmungen verdeutlichen.

Video: Tödliche Rückströmung für Paddler an Wehr

 

Bewusstlos  schwimmt nicht gut

Im bereits erwähnten Artikel Wildwasser und Stromschnellen befahren werden die speziellen Gefahren des Wildwassers behandelt. Eine Gefahr dabei ist das man aus dem Kanu oder Packraft fällt bzw. umkippt und dann mit dem Kopf auf einen Stein, Baumstamm oder anderen harten Gegenstand knallt. Ist das ein harter Schlag so kann man davon auch bewusstlos werden. Hat man keine ohnmachtssichere Rettungsweste an (siehe Artikel: Schwimmweste, Rettungsweste, Schwimmhilfe | Ich will doch nur paddeln) so ertrinkt der Paddler ohne Hilfe recht schnell, denn der Kopf ist dann zumeist unter Wasser. Damit man bei einem Schlag gegen den Kopf nicht das Bewusstsein verliert hilf ein Helm. Daher ist es je nach Tourentyp hilfreich auch einen Helm mitzunehmen wenn man zur Kanutour oder zum Packrafting aufbricht. Wir benutzen z.B. unter anderem diesen Helm zum Schutz bei unsere Sportarten: Multisport Helm POC Receptor + | Snowboarden, Skifahren, Fahrrad, Kajak - dann doch lieber einen der alles kann

 

Gefahr durch Bäume und Äste in der Strömung

Auf eine Gefahr im Zusammenhang mit der Wasserströmung muß man im besonderen hinweisen: Bäume und große Äste welche im Wasser liegen, oder vom Ufer in die Strömung hängen.

Gefahr Kanutour Aeste 5

Bild: Solche Holzansammlungen haben schon oft zu tödlichen Unfällen bei Kanutouren geführt

 

An solchen Stellen können sehr schnell gefährliche Situationen entstehen, da das Wasser durch solche Hindernisse “hindurch fließt“. Wenn beispielsweise ein großer Stein in der Flußmitte liegt so verläuft der Stromzug des Wassers seitlich daran vorbei. Ein Kanu oder ein gekenterter Paddler wird in vielen Fällen an solchen Stellen vorbei fließen, bzw. von der Strömung daran vorbei gezogen. Auf keinen Fall soll man das jetzt so verstehen das Steine im Wildwasser ungefährlich sind. Hier können sich natürlich Walzen und Rückströmungen bilden welche nicht unterschätzt werden dürfen.

Bei Ästen und Bäumen ist diese Situation und die daraus resultierenden Strömungsverhältnisse anders. Dann kann es sein das der Hauptstromzug direkt durch diese Holzblockaden hindurch verläuft. Das Boot wird also direkt hineingezogen. Wenn man nun kentert (oder schon gekentert ist), verhält sich das ganze Geäst plötzlich wie ein Sieb. Die Strömung drück den Kanuten in die Äste und man hat kein Chance eigenständig dagegen anzukommen. In Strömungsrichtung abwärts kann man auch nicht weg da die Äste einen gefangen halten. Der Wasserdruck und das flexible Verhalten von starken Ästen kann dazu führen das man unter Wasser gedrückt wird. Eventuell hat sich auch noch zusätzlich ein Teil der Kleidung oder Schwimmweste in den Zweigen verfangen. Nun kann es ganz schnell dazu führen das man sich nicht mehr an die erste Verhaltensregel der Kanuten halten kann: „Nicht ertrinken!“. In einer solchen Situation ist es dann besonders wichtig das eventuelle Mitpaddler schnell ihre Rettungs- Hilfsmittel wie Wurfsack, Messer zur Verfügung haben und schnell reagieren. Wenn „nur“ das Kanu oder ein Teil der Ausrüstung in den Zweigen hängt kann man sich auch erst einmal neu ordnen und in Ruhe überlegen wie man die Sachen dort sicher wieder herausbekommt.

Gefahr Kanutour Aeste 2

Sieht nicht besonders gefährlich aus...

Gefahr Kanutour Aeste 1

... die Strömung ist allerdings ausreichend,

um an dieser Stelle zu ertrinken

Gefahr Kanutour Aeste 4

Die Kraft des Wassers mit welcher man in ein solches Holzsieb...

Gefahr Kanutour Aeste 3

... hineingezogen wird, wird oft unterschätzt.

 

Im übrigen ist diese Gefahr auch schon auf ruhigen Fluss Touren gegeben, vor allem in den Kurven Bereichen. Logisch und in jedem Kanuführer zu finden: Wenn der Fluss eine Biegung macht so ist die Strömungs- Geschwindigkeit Außen am größten und im Kurveninneren am geringsten. Damit findet man im Außenbereich auch das tiefste Fahrwasser, während es Innen eher flach ist. Damit würde das Kanu also, wenn man das Paddel komplett einstellen würde, schön am äußeren Uferbereich entlang schreddern. Aus diesem Strömungsverhalten resultieren zwei Dingen:

  1. Bäume welche im Wasser treiben stoßen also ebenfalls, wie ein steuerloses Kanu, in diesen Außenbereich. Dort bleiben sie stecken bzw. verklemmen sich. Damit liegen also besonders häufig Äste und Bäume in dieser Stelle im Fluss und gefährden den Kanuwanderer. Und da der Wasserdruck hier am stärksten ist erhöht sich die Gefahr zusätzlich.
  2. In diesen Kurven Außenseiten wird von der Strömung viel Erde abgetragen. Dies führt dazu das Bäume und Büschen in diesen Kurven besonders häufig entwurzelt werden und damit ins Wasser hängen oder fallen.

 

Diese zwei Ursachen sind der Grund weshalb solche Holz Verblockungen häufig im Außenbereich von Flussbiegungen zu finden sind. Wenn man solche Holzhindernisse in den Kurven erkennt ist es also wichtig das man rechtzeitig den Bug ins Kurveninnere ausrichtet und zügig paddelt damit man nicht in den Außenbereich gezogen wird. Auch eine vermeintlich langsame und als harmlos wahrgenommene Fließgeschwindigkeit kann in Kombination mit solchen Holzblockaden schnell zu sehr unangenehmen Situationen führen. Und gerade wenn man noch nicht so häufig Kanuwandern war, ist dieses Nicht- Erkennen dieser Gefahrenquelle eine häufige Unfallursache. Hier also bitte besonders aufpassen und eventuelle Mitpaddler auch rechtzeitig darauf hinweisen.

 

2. Die Sache mit dem Blitz

Vermutlich ist dies jedem klar. Bei einem Gewitter hat man auf dem Wasser, insbesondere mitten auf einem See nichts zu suchen. Das Wetter sollte man während einer Kanu Tour sowieso ständig beobachtet. Eine See Überquerung ist ganz einfach zu unterlassen wenn es nach Gewitter aussieht. Das übelste am Gewitter ist übrigens folgendes. Man darf diese auferlegte Pause nicht einmal dazu verwenden um Angeln zu gehen. Die Angeln sind oft aus Kohlenstoff Verbindungen hergestellt. Diese leiten hervorragend, und ziehen aufgrund ihrer Länge auch Blitze an. Ist sicher eine nette Vorstellung, diese Erde während dem Angeln zu verlassen. Möchte man dies aber noch herauszögern, Finger weg von der Angelrute während eines Gewitters.

blitz

Bild: Symbolbild Blitzeinschlag

 

3. Gefahr durch Unterkühlung

Der entscheidende Satz ist hier: "Dressed for the water, not for the air". Die Kleidung des Paddlers richtet sich also nach der Wassertemperatur und nicht nach der Lufttemperatur und dem Sonnenschein, denn gefährlich wird es dann wenn du bei niedrigen Wassertemperaturen aus dem Kanu oder Packraft fällst. Eine Schwimmweste hilft gegen das Ertrinken, sowohl auf dem See, wie auch in Stromschnellen. Sie schützt nicht gegen Unterkühlung. Entscheidend ist hier natürlich die Wassertemperatur. Gegen das Auskühlen im Wasser helfen nur bestimmte Kleidungsstücke wie Neoprenkleidung oder ein Trockenanzug. Dazu kommen aber etwas weiter unten noch weiter Informationen.

Wenn man am Anfang von einer Stromschnelle aus dem Kanu oder dem Packraft fliegt, darf man sich durch die gesamte Schnelle tragen lassen. Je nach Umgebung, kann es dann passieren das man erst nach einigen Minuten wieder am Ufer steht. Oder 500 Meter weg vom Ufer auf einem See? 6 Grad Wassertemperatur, an einem schönen sonnigen Frühjahrs- Tag. Jetzt kentert man. Erst wird noch 5 Minuten probiert in den Canadier zurück zu kommen, bevor man dieses Unterfangen aufgibt. Und dann schwimmt man los. Eines ist sicher, da erreicht nicht jeder mehr das Ufer.

 

Faustregel: Wie lange ist man handlungsfähig im kalten Wasser.

 

Wassertemperatur in Grad Celsius = Minuten in welchen man noch handlungsfähig ist*

 

*Gültig für Wassertemperaturen von +13° Celsius und darunter.

 

Erklärung: Wenn man nun in 9 Grad kaltes Wasser fällt, hat man 9 Minuten in welchen man z.B. noch saubere Schwimmbewegungen ausführen oder sich irgendwo festhalten kann. Nach diesen 9 Minuten kann man sich nicht mehr darauf verlassen das man sich selbst retten kann. Um es ganz deutlich zu sagen: Nach 9 Minuten muß man wieder im Kanu sitzen oder sich an Land gerettet haben. Bei 5 Grad Wassertemperatur hat man 5 Minuten hierfür Zeit. Diese Faustregel wurde auch bei einer Studie am Institut of Naval  Medicine bestätigt: Eine durchtrainierte Person begab sich hier mit Jeans und Pullover bekleidet in ein Wasserbecken mit +10° Celsius kaltem Wasser. Anschließend filmte man seine Schwimmbewegungen. Hierbei konnte man feststellen daß der Schwimmer nach ca. 10 Minuten nicht mehr fähig war, koordinierte Schwimmbewegungen durchzuführen.

 

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Bild: Im Norden von Skandinavien kann es auch im Hochsommer empfindlich kalt werden

 

Mit Neopren oder Aqua Shell Bekleidung kann man das Auskühlen des Körpers hinauszögern bzw. ganz verhindern. Dies ist natürlich wieder abhängig von der Isolierfähigkeit (Materialdicke) dieser Bekleidungsstücke und der Wassertemperatur. Aber die Zeit welche man zur Verfügung hat, ohne körperlichen Schäden im Wasser zu bleiben, verlängert sich erst einmal mit einem Neopren Anzug. Ob man sich solche Kleidungsstücke besorgt und mit auf die Kanu Tour nimmt hat in erster Linie etwas mit dem Touren Typ bzw. der Gewässer Charakteristik zu tun, und natürlich auch mit der Jahreszeit. Man sollte über seine geplanten Kanutour schon wissen ob es eine unvermeidliche länger Seeüberquerung geben wird oder nicht. Denn auch zwei durchschnittlich sportlich talentiert Anfänger Paddlern darf man es zutrauen das sie sich und ein gekentertes Kanu, zum 10 Meter entfernten Ufer retten können.
Ist man allerdings kurz nach der Schneeschmelze mitten auf dem Inarisee unterwegs und kentert an dieser Stelle …. nun ja, im Manager Lehrgang lernt man solche Situationen als „Herausforderung“ zu bezeichnen. Und wer von seinem Vorgesetzten mal dieses Wort gehört hat, weiß somit genau was es in Wirklichkeit bedeutet.

Wie gesagt, abhängig von Bekleidung und Wassertemperatur hat man einen zeitlichen Rahmen, welcher unter Umständen auch nur 5 Minuten groß sein kann. In dieses Zeitrahmens muss man es nach einer Kenterung entweder durch Selbstrettungs- Techniken wieder in das Kanu (Canadier oder Kajak) schaffen, oder es muss einem möglich sein in dieser Zeit ans Ufer zu schwimmen.

Es gibt ein hervorragendes Dokument zum Thema Unterkühlung. Dieses  ist wesentlich ausführlicher, fundierter, professioneller als die paar Angaben welche ihr hier finden. Wir würden dieses Dokument sogar als Pflichtlektüre bezeichnen für alle Paddler: Externer Link: Ausführliches Dokument - Gefahren durch Unterkühlung

 

Kentertraining,  Partnerboot- uns Selbstrettung im Kanu

Zu empfehlen ist im übrigen auch ein Kenter Training. Wenn man ein Boot oder Packraft zur Verfügung hat darf mal bei besten Wetterverhältnissen am heimischen Badesee die Situation mal üben. Nahe am Ufer aber doch an einer Stelle an welcher man nicht mehr stehen kann sollte man mal absichtlich umkippen. Das Kanu oder Packraft ist vollgelaufen und die/der Paddler schwimmen im Wasser. Und jetzt darf man mal probieren wieder ins Kanu zu kommen. Ganz ohne Anleitung und Tipps kann dieses Spiel ziemlich lustig werden, vor allem für eventuelle Zuschauer am Ufer. Vor einer echten Wildnistour sollte man aber dann doch besser wissen wie es richtig geht. Wenn man sich dazu entschließen sollte einen Kanu Kurs zu absolvieren, so werden einem dort die nötigen Techniken beigebracht.

Relative einfach ist die Selbstrettung bzw. der Wiedereinstieg ins Kanu bei einem Luftboot oder in einem Packraft. Dies ist im folgenden Video ersichtlich. Das "Flippen" also das Umdrehen eines unbeladenen Luftkanadieres ist relativ einfach. Hinzu kommt, das so gut wie kein Wasser sich im Boot befindet, nachdem es gedreht wurde. Bei einem Festboot oder einen Faltboot geht dies nicht ganz so einfach. Zudem ist, wie bereits erwähnt, beim folgenden Kentertraining Video zu beachten das der Kanadier vollkommen unbeladen ist, daher kann man sofort mit dem Wiedereinstieg beginnen. Im Erstfall müsste man zuerst eine eventuelle Sicherung der Kanusäcke und Kanutonnen lösen, und hierbei eventull sogar den Verlust schwererer Ausrüstungsgegenstände in Kauf nehmen. Aber wenn das rettende Ufer zu weit entfernt ist und echte gesundheitliche Gefahr droht, nimmt dies wohl jeder Kanut in Kauf.

Video: Wiedereinstieg in Luftboot. Selbstrettung im Kanu

 

Wer sich mit dem Thema „Selbstrettung im Canadier auf stehendem Gewässern“ auseinandersetzten möchte, dem sei folgendes Dokument von Frank Moerke empfohlen: Externer Link: Selbstrettung im Canadier

Wenn man eine unvermeidliche Seeüberquerung während der  Kanu / Kajaktour hinter sich bringen muss, sollte man zu aller erst das Wetter beobachten. Bei einem aufziehendem Unwetter sollte man die Seeüberquerung unterlassen und am Ufer auf einen Wetterumschwung warten. Der natürliche Feind der Seequerung ist der Wind. Schon mittlestarker Wind kann auf einem See Wellen erzeugen welche eine ernst zu nehmende Gefahr für den Kanu und Kajakfahrer darstellen. Im windgeschützen Uferbereich schätzt man die Verhältnisse vielleicht noch günstig ein, nachdem man 100 Meter Richtung Seemitte gepaddelt ist man plötzlich mit kleinen brechenden Wellen konfrontiert. Wind welcher dabei direkt von vorne oder von hinten kommt ist dabe noch nicht so unangenehm wie Wind und Wellen welche das Kanu dabei von der Seite treffen. Bei solchen Windverhältnissen zu paddeln ist dann eine wirklich kräfteraubende und sportliche Angelegenheit. Und wie gesag die Wellen welche dabei erzeugt werden können ein Kanu schneller zum kentern bringen als man denkt. Bei unvermeidlichen Seeüberquerungen geben wir daher folgende Empfehlung.

  1. Sind die Windverhältnisse stabil, sprich der Wind kommt konstant aus einer Richtung, sollte man das Kanu genau gegen bzw. mit dieser Windrichtung paddeln. Damit bricht man die auftretenden Wellen genau im 90 Grad Winkel. In diesem Winkel fährt es sich am stabilsten und sichersten über auftretende Wellen. Das ist wie beim Fahrradfahren und den Straßenbahngleisen. Diese quert man auch nur eine einziges Mal im Kindesalter in längs Richtung. Danach hat man es (schmerzlich) gelernt. Das Ausrichten in die Windrichtung kann natürlich dazu führen das man nicht mehr den direkttesten Weg zum Zielpunkt paddeln kann. Dies ist aber akzeptabel da es die Sicherheit um einiges erhöht. Das Paddeln mit der Windrichtung ist natürlich die angenehmste Art der Seequerung. Wenn man dann noch einen Regenschirm dabei hat welchen man als Segel einsetzten kann, kann man den Kalorienverbrauch auf nahezu Null reduzieren.
  2. Wenn die Windverhältnisse allerdings zu widrig sind, sollte man nichts riskieren. Dann muss man am Ufer abwarten und die Gegend erkunden oder angeln. Denn am Abend lässt der Wind so gut wie immer nach. Und dann sind die Umstände für eine längere Paddelstrecke auf einem offenen See um einiges besser.

An dieser Stelle möchten wir noch einen sehr detaillierten Bericht zu einem tödlichen Kanu Unfall empfehlen. Hier war Unterkühlung die Todesursache. Und die beteiligten Personen waren alles andere als Anfänger. Wer danach immer noch denkt: "Das passiert nur den andern, mir aber nicht"... nun, haben wir den Darwin Award schon erwähnt? Bericht im KANU MAGAZIN: Tödliche Kenterung – Chronik einer Tragödie

 

Folgerung: Insbesondere beim Seepaddeln bzw. beim Befahren von großen, breiten Flüssen, sollte man immer schön in Ufernähe bleiben wenn dies möglich ist!

 

Sicherheit durch Organisation und Gruppengröße

Es gibt ein paar Packraft- und Kanutouren bei welchen ausdrücklich empfohlen wird sich mit mindestens zwei Canadiern bzw. Kakjak oder Packrafts auf den Weg zu machen. Egal ob man jetzt von einer Kenterung mitten im See, oder von Schwierigkeiten beim Befahren vom Stromschnellen spricht. Ein zweites Boot kann hier unter Umständen gute Hilfe leisten und die Sicherheit erhöhen.

Auch wenn man beispielsweise sein fahrerisches Können mal austesten möchte ist es hilfreich wenn man mit mehreren Booten unterwegs ist. Irgendwann hat jeder mal damit angefangen auf einem See blöde im Kreis zu paddeln. Nach und nach läuft das besser, und es werden die verschieden Wildwasserkategorien angegangen. Der Grad zwischen Mut und Unvernunft ist schmal und nicht immer sofort erkennbar. Wenn man eine größer Gruppe ist, kann man an einer Wildwasser Passage zum Beispiel Leute mit Wurfsäcken am Ufer positionieren und damit sich etwas Sicherheit verschaffen.

Und dann gibt es noch die wirklich abgelegen Touren. Hier ist die seriöse und richtige Planung von Bedeutung. Wenn man in einem Gebiet unterwegs ist wo man beispielsweise tagelang keinen Handy Empfang hat oder menschliche Behausungen gibt, sollte man nicht einfach so los paddeln. Zusätzliche Essensrationen für nicht geplante Verzögerungen, die Erwägung von der Mitnahme eine Satelliten Telefons und gute grundsätzliche Kenntnisse bei Erster Hilfe (siehe auch Artikel: Erste Hilfe Set / Medipack) sollten dann ebenfalls Punkte in der Planungsphase sein. Bei der Zusammenstellung des Speisplans für längere, abgelegene Kanutouren sollten auch Grundkenntisse über biochemische Zusammenhänge vorhanden sein. Ansonsten packt man eventuell die falschen Dinge in die Essenskiste. Siehe dazu auch Artikel: Ernährung im Outdoorsport / auf Kanutouren

 

James Bond, Jack Bauer und die Kanu Fahrer

Also, es ist total bescheuert hier die ganze Zeit so zu tun als ob man auf einer Paddel Tour ständig der Todesgefahr ins Auge sieht. Aber wenn ein paar Umstände eintreten, und man sich pubertierend, Testosteron gesteuert wie der schwarze Ritter aufführt, kann der Urlaub doch schneller vorbei sein als man denkt. Darum geht es in diesem Artikel. Die Ausführungen sind sowieso nicht für die Extremisten gedacht. Personen welche im Winter über den Vännern, Vättern oder zum Norpol paddeln wollen  müssen wohl noch ganz andere Sicherheits- Hinweise beachten. Ebenso die Personen welche total unbekannte Stromschnellen befahren möchten.

Kanutouren sind eine tolle, feine und zumeist auch ungefährliche Möglichkeit um seinen Urlaub bzw. Freizeit zu verbringen. In den meisten Fällen auch absolut für Familien geeignet, wenn man bei der Auswahl der Tour sich entsprechende informiert. Also, nach den ganzen Warnungen in diesem Artikel. Viel Spaß auf euren Packrafting und Kanutouren!

 

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