Dieser Artikel gehört zur Kategorie Basis Outdoor Wissen. Wer zum Thema Zwiebelprinzip / Schichtenprinzip nichts sagen kann, wird im besten Fall mitleidig belächelt. Möglicherweise wird man auch aus der Outdoor Community verstoßen wenn man das Thema Bekleidungs-Schichten Prinzip nicht erläutern kann, es ist wirklich ein absoluter Basic. In diesem Artikel wird zuerst das Zwiebelprinzip erklärt. Was der Sinn dahinter ist und wie es richtig funktioniert. Im zweiten Teil betrachten wir dann unsere persönliche Umsetzung des Zwiebelprinzip wenn wir mit dem Kanu oder Packraft unterwegs sind. Bekannt ist das Konzept auch unter den Begriffen: Zwiebelschalenprinzip, Schichtenprinzip, 3-Schichten-Prinzip (bzw. 4-Schichten-Prinzip), Zwiebeltechnik, Schichtenmodell. Dabei ist aber immer das selbe gemeint: Die beste Strategie um perfekt auf die jeweiligen Witterungsverhältnisse vorbereitet zu sein bzw. sich anzuziehen.

Die Grunderkenntnis des Zwiebel-Schichten Prinzips sagt folgendes aus: Es ist wesentlich praktischer und effizienter sich mit mehren dünnen Schichten, also Kleidungsstücke Lagen, anzuziehen als mit wenigen dicken Schichten zu kleiden. An einem Beispiel lässt sich dies folgendermaßen erklären: Grundsätzlich soll man z.b. den Oberkörper besser mit folgenden Lagen kleiden: Kurzes Unterhemd, langes Unterhemd, dünner Pulli, Fleece Jacke, Softshell Jacke, Hardshell Jacke. Im Gegensatz dazu stünde die Anzieh-  Strategie mit einem T-Shirt und einer dicken Jacke. Bei dieser zweiten Variante ist das Preis- Leistungsverhältnis um einiges schlechter.

Zwiebelschichten W 1280

Bild: Die Natur mach es vor. Schichtenprinzip wie bei der Zwiebel

Zwiebelschichten Kleidung Oberkoerper

Bild: Zwiebelschichten Bekleidung Prinzip. Umsetzung am Oberkörper. Schicht 1 bis 4

 

Effizienter weil:

Kleidet man sich mit mehreren Stoffschichten so entsteht automatisch zwischen jeder Lage eine Luftschich. Luft ist wiederum ein sehr guter Isolator da über diese Temperaturen nur sehr schlecht übertragen werden (schlechter Temperatur-Leitungs Koeffizient). Daher bekommt man bei gleichem (Kleidungsstück- ) Gewicht eine besseren Isolation gehen Kälte verglichen mit einer dicken Jacke mit dem selben Gewicht. Seit sich der erste Höhlenmensch ein Hasen Fell um den Hintern gewickelt hat ist der Schutz gegen die Kälte bis heute die Kernfunktionalität der Kleidung.

 

Praktischer weil:

Kälteschutz ist klasse, aber die Temperatur Bedingungen bei Outdooraktivitäten können dann doch sehr variieren. Bei allen auftretenden Wetterbedingungen möchte man also weder frieren noch an Überhitzung leiden. Ist man beim Trekking, Bergtouren, Mountainbiken, Skifahren, Kanutouren oder anderen Outdoor Aktivitäten nach dem Schichtenprinzip gekleidet kann man auf diese äußeren Wetterbedingungen sehr flexibel reagieren: Man zieht einfach eine Schicht aus oder eine zusätzliche Kleidet Schichtenprinzip an. Im Gegensatz zu einer einzelnen dicken Jacke kann man im Schichtenprinzip Modell sehr fein auf diese Schwankungen reagieren. Kommt während einer schlecht Wetter Phase zum Beispiel etwas die Sonne heraus zieht man einfach eines der dünnen Unterhemden aus und ist damit sofort wieder in der richtigen Temperatur Wohlfühl- Zone. Muss man in derselben Situation die dicke Jacke ausziehen ist die Wahrscheinlichkeit hoch das diese Anpassung dazu führt das man anschließend friert.

Im übrigen gehört das Buff bzw. Multifunktionstuch (Buff - Multifunktionstuch - Tragemöglichkeiten - Niemals raus ohne Buff!) für uns ebenfalls zum Zwiebelschichtenprinzip. Man kann es sehr flexibel tragen und einsetzten um damit auf unterschiedliche Temperaturschwankungen und Wettereinflüsse reagieren.

 

 

 

Die verschiedenen Schichten und ihre Funktion

Die verschiedenen Schichten bestehen aus unterschiedlichen Materialien und haben zumeist auch eine unterschiedliche Dicke. Neben der Aufgabe die Person vor den Witterungseinflüssen zu schützen ist die zweite Hauptaufgabe dieser Schichten der Feuchtigkeitstransport von innen nach außen. Bei körperlicher Ertüchtigung im Freien fängt man irgendwann an zu schwitzen. Dieses Schweißproduktion ist zu diesem Zeitpunkt vermutlich auch auch richtig da der Körper aufgrund der Anstrengung überhitzt und daher herunter gekühlt werden muss. Dumm ist dabei das der Scheiß bzw. die Feuchtigkeit nicht plötzlich verschwindet sobald diese "Aufgabe" erledigt ist. Denn diese körpernahe Nässe wird nun den Körper weiter (aus-)kühlen, und das ist nicht erwünscht. Die Idee beim Zwiebelprinzip ist daher das eventuell produzierter Schweiß schnell vom Körper weg transportiert wird und nicht auskühlt. Idealerweise funktioniert dieser Feuchtigkeitstransport bis ganz nach außen (durch alle Schichten) wo sich die Nässe verflüchtigen kann. Damit dieser Schweißtransport funktioniert müssen die richtigen Materialien eingesetzt werden und andere bekannte Fehler vermieden werden.

 

1. Schicht. Unterwäsche - Base Layer - Basis Schicht-  Schweißtransportschicht

Die direkt auf dem Körper getragene Basis Schicht dient dazu den Körper vor dem Auskühlen durch Schweiß zu schützen aber ebenfalls zu wärmen wenn es die Situation erfordert. Die Unterwäsche hat im Zwiebelschichtenprinzip die Aufgabe den schweiß sofort aufzunehmen bzw. Vom Körper weg in die nächste Schicht zu transportieren. Üblicherweise werden hierfür Funktionswäsche aus Kunstfasern wie etwa Polyester oder Polypropylen eingesetzt. Aber auch Unterwäsche aus 100%-Merinowolle oder Mischgewebe aus Synthetik und Merinowolle eignen sich hervorragend. Komplett ungeeignet sind hier Stoffe aus Baumwolle. Damit das Prinzip des Feuchtigkeitstransport von innen nach aussenden funktioniert muss die Unterwäsche eng am Körper getragen werden, flattrige Shorts haben hier nichts zu suchen.

Merino Shirt Base Layer

Bild: Base Layer. 1. Schicht. Zwiebelprinzip

 

2. Schicht. Isolation Schicht -  Mid Layer

Die zweite (n) Schicht(en) des Zwiebelprinzip hat als Hauptaufgabe den den Schutz vor Kälte bzw. Den Wärmeschutz. In der zweiten Schicht kann man jeden nach Wetterbedingungen eine oder mehrere Lagen aus besteht aus dünnem, elastischem Fleece oder Wollen tragen. Auch hier ist Baumwolle ein Killer des Zwiebelschichten Bekleidungs Prinzips und sollte daher vermieden werden.

Zweite Schicht Zwiebelprinzip

Bild: Zweite Schicht im Schichtenprinzip. Gerne einen typischen Outdoor Pulli aus Schafs Wolle

 

3. Schicht. Windschutz

Bei der Wettervorhersage wird neben dem Wert der Temperatur auch die "gefühlte Temperatur " angegeben. Diese kann oft noch wesentlich tiefer liegen als die echte Temperatur Angabe. Verantwortlich hierfür ist so gut wie immer der Wind. Wenn dieser ordentlich bläst so ist die gefühlte Temperatur auf der Haut nochmals tiefer da der Wind die Mini-Isolations-Schicht aus Luft welche sich immer über der Haut bildet zerstört. Nun kann die Temperatur "direkter" angreifen.

Die Mid Layer Schicht kann auch vor leichtem regen schützen. Geeignet sind hier zum Beispiel Softshell Jacken oder ein dicht gewebter Pulli aus Schafs- Wolle. Diese Materialien schützen auch gegen einen kurzen oder leichten Regenschauer. Der Windschutz kann im Prinzip auch weggelassen werden das die 4. Schicht der Regenschutz auch gleichzeitig ein Windschutz ist.

 

4. Schicht. Regenschutz - Shell Lager

Diese (Zwiebel) Schicht schützt vor dem Regen. Hier kommen in den meisten Fällen hochwertige Funktionsjacken und Hosen zum Zuge. Diese sind wasserdicht haben aber zumeist eine Membran bzw. eine Beschichtung welche einen Feuchtigkeistransport von innen nach außen zulassen, was sehr wichtig ist wie bereits zu Anfang des Artikels erläutert wurde. Membran welchen diesen Wasserdampf Transport von innen nach außen zulassen sind zum Beispiel GoreTex oder Dermizax. Eine zuverlässige und robust Regenjacke ist pures Gold wert bei Outdoor Aktivitäten. Was uns bei dieser Bekleidungs Schicht wichtig ist, dazu haben wir in folgendem Artikel schon einmal etwas geschrieben: Regenjacke – Regenhose – Hardshells. So viel Freude einem ein funktionierender Shell Layer bereiten kann, beim Blick auf das Preis Schild bekommt man zumeist Schnappatmung. 

Naesseschutz Schicht

Bild: Regenschutz. 4. Schicht im Zwiebelprinzip

 

Merinowolle oder Kunstfasern

Selten war man sich innerhalb einer großen Gruppe so einig was die beste Bekleidung für Outdooraktivitäten angeht. Das Zwiebel-Schichten Prinzip wird von Skitouren- Gehern, Moutainbikern, Trekking Freaks oder Langläufern ebenso angewendet wie von allen anderen Outdoor Sportarten. Allerdings gibt es aufgrund ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen der Sportart bzw. der Person welche sie ausführt auch unterschiedliche Umsetzungen. Gerade ob man eher Kunstfaser oder Merinowolle in den ersten Schichten einsetzt ist hier oft die Frage. Der Feuchtigkeits-Weg-Transport bei Kunstfaser ist besser, zudem trocknen diese Kunstfasern wesentlich schneller. Daher bietet sich Kunstfaser zum Beispiel gut beim Speedclimbing oder Fast Trekking an. Wenn die Kunstfaser allerdings einmal nass ist und keine Möglichkeit mehr hat die Feuchtigkeit abzugeben werden diese auch klamm und kalt. Merionwolle hingegen wärmt auch noch in gewissem Masse selbst wenn sie nass ist. Hinzukommt das Merinowolle auch fast keine Gerüche annimmt. So können wir auf einer Tour auch ruhig mal eine Woche lang das selbe (Merino) T-Shirt tragen. Da gibt es keine Geruchsbelästigung für eventuelle Reisegefährtinnen und Gefährten. Im Gegensatz zum Synthetik- Shirt. Nach drei Tagen im selben Synthetik T-Shirt riechst du wie ein Otterkäfig, da sitzt du abends alleine am Lagerfeuer!

Unterschiedliche Merino Shirts

 

Bekleidungs Strategie bei Kanutouren, Packrafting und leichten Trekking Touren

Wir lieben dieses Merino Schaf. Damit lässt sich unsere Bekleidungs- Strategie am besten beschreiben. Mit Merinowolle Unterwäsche und teilweise auch in der Mid Layer Schicht, fühlen wir uns am wohlsten. Dies hat allerdings auch mit dem Aktivitäten Verhalten auf unseren Packrafting (Packrafting - Pure Freude für Paddler, Wanderer und Angler) und Kanutouren zu tun.

Wir sind nicht ständig in Bewegung. Das Paddeln selbst ist eine moderate körperliche Betätigung, da wird in unserem Fall nicht viel geschwitzt. Richtig anstrengend kann es hingegen werden wenn mal wieder ein Landtransport ansteht oder man bei heftigem Gegenwind noch eine bestimmte Strecke schaffen muss bzw. will. Plötzlich kommt man an eine wunderschöne Stromschnelle wo man sich hundertprozentig sicher ist das dort die dicksten und größten Forellen stehen müssen. Also wird das Packraft auf einem Felsen fixiert und es wird erst mal eine Stunde der Angelköder ins Wasser geworfen ..... Was übrigens auch keine besonders Schweiß treibende Tätigkeit ist. Genauso wenig wie sich einfach mal im Kanu oder Packraft treiben zu lassen und die Ruhe in der Natur zu genießen.

Bekleidung trocknen Lagerfeuer

Bild: Bekleidung trocknen am Lagerfeuer

Mal schwitzen wir, mal ruhen wir, sind aber zumeist den gesamten Tag unterwegs bis wir Abends das Lager aufbauen. Das tollste an der Merinowolle Wolle ist, wie bereits erwähnt, das sie auch wärmt selbst wenn sie nass ist. Das haben wir zu schätzen gelernt. Denn es kann durchaus sein das wir beim Paddeln auch mal im Wasser landen oder mal einen ordentlichen Schwall Wasser abbekommt wenn man sich durch eine Stromschnelle kämpft. Bis man dann einen geeigneten Lager Platz gefunden hat um sich die trockene Ersatzkleidung anzuziehen kann dann auch mal eine Stunde vergehen. Und trotzdem friert man dann nicht wenn es nicht gerade Temperaturen um die null Grad oder darunter hat. Am Lagerfeuer trocknen wir dann die nassen Kleidungstücke und haben somit am nächsten Tag wieder die richtige Kleidung für unsere Outdoor Aktivitäten sowie auch unseren Satz Wechselklamotten.

 

Unsere typische Bekleidung sieht tagsüber folgendermaßen aus:

 Gluecklich mit der richtigen Kleidung

Bild: Glücklich mit dem Zwiebel Schichtenprinzip

 

Exkurs: Breche die Regel wenn du weißt was du tust: Neopren und Trockenanzüge

Wie bereits erwähnt sitzen wir im Packraft oder dem Kanu ebenfalls nach dem Schichtenmodell. Allerdings muss man dieses Prinzip bei besonders kalten Wassertemperaturen brechen und sich mit Neoprenbekleidung gegen das Auskühlen im Wasser schützen. Entscheidend ist hier das das Auskühlen des Körpers im Wasser viel schneller passiert als an Land oder im durchnässten Zustand. Wir wägen bei unseren Touren mit Kanu und Packraft also auch immer ab ob wir Neoprenkleidung anziehen oder unsere "normalen" Outdoor Bekleidung nach dem Schichtenprinzip. Letzters ist natürlich wesentlich angenehmer zu tragen wie ein Neopren T-Shirts und Hosen .... zumindest bis zu dem Zeitpunkt bei welchen man ins Wasser fällt. Mehr zum diesem Thema findet ihr in folgendem Artikel: Sicherheit bei Kanu- und Packrafting- Touren

Neoprenanzug Kanutour

Bild: Neoprenanzug für Kanu oder Packrafting Tour

 

Fazit zum Zwiebelschichten Kleidungs- Prinzip

Das Zwiebel-Schichten Prinzip funktioniert für uns extrem gut und wir passen es mit unseren persönlichen Anforderungen bei Kanu und Packrafting Touren minimal an, verletzen das Prinzip hierbei allerdings nicht (Ausnahme sind Touren mit Neopren oder Trockenanzug). Es bedeutet für uns auch das wir mit diesem Prinzip die minimale Bekleidung mitführen können was Gewicht und Volumen in Rucksack, Kanu oder Packraft auf das nötigste reduziert. 

Und noch als persönlicher Tipp für sogenannte Frostbeulen bzw. alle anderen Leute welche schnell frieren. Das Schichtenprinzip ist nicht nur für Outdoor Aktivitäten gedacht, es behält auch im Alltag oder anderen Urlauben seine gültig: Mehrere dünne Schichten wärmen besser als nur ein oder zwei dicke Kleidungsschichten! Das ist ein Fact. Probiert es einfach mal aus!

 

Weitere interne und externe Links zum Thema Schichtenmodell