Ein wesentlicher Bestandteil des Lager- Einrichtens, ist der Aufbau der Regen-Schutz Plane bzw. Tarp. Wenn nicht mit Regen zu rechnet ist, kann dieser Teil natürlich entfallen. Sollte es aber zu Niederschlägen kommen ist man zumeist heilfroh wenn die Plane richtig aufgebaut ist. Was am Ende des Aufbaus herauskommt kann man unter Umständen als unbrauchbar oder auch als „Vorzeige Tarp – Model Engels“ bezeichnen. Allerdings ist die Umgebung, zum Beispiel das Vorhanden sein von Bäumen, auch mit dafür verantwortlich wir brauchbar das Plastik Dach am Ende wird. Daher sollte man sich die Stelle wo man das Lager aufbauen möchte gut anschauen, gerade auch  im Hinblick darauf, ob man dort gut eine Folie spannen kann.

 

Eine fertig aufgebautes Tarp sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Es sollte auf einer Höhe gespannt sein damit auch der größte Gruppenteilnehmer noch aufrecht darunter stehen kann. Dies hat zum einen den Vorteil das man seine Ersparnisse, nach der Kanutour, zum Beispiel eher in ein neues Messer als beim Physiotherapeuten investieren kann. Zudem ist dann auch die Gefahr nicht so groß dass das Feuer das drüber gespannte Tarp beschädigt.
  • Die Schutz Folie sollte Windböen mittlerer Stärke standhalten.
  • Das Tarp sollte genug Platz bieten für alle Touren Teilnehmer, die Feuerstelle, die Kochutensilien und das Holz welches man gesammelt hat.
  • Das Schutzdach sollte so aufgebaut sein das sich keine Wassersäcken bilden können.

An den meisten Folien sind an den Ecken, und in regelmäßigen Abständen an den Rändern, Ösen vorhanden. Mit diesen Ösen und und entsprechenden Seilen und Schnürren spannt man das Tarp auf. Es ist zwar auch möglich nur unter Verwendung der Ösen das „Dach“ aufzubauen, allerdings wird das ganze wesentlich stabiler und professioneller wenn man sich zu Beginn mit einem Kräftigen Seil erst mal einen „Dachbalken“ baut.

 

Der Dachbalken Seilzug

Man spannt zwischen zwei geeigneten Bäumen in ausreichender Höhe ein Seil. Damit  dieses ordentlich straff wird, verwendet man am besten einen Seilzug (siehe Knoten Video weiter unten).

Bild: Der Seil - Dachbalken

Bild: Schleife für Seilzug

Bild: Seilzug

Bild: Seilzug gespannt


Über diese Seil legt man anschließend die Plane und befestigt die jeweiligen Ecken an Bäumen, Zeltheringen oder Tour- Teilnehmern welche eine Wette verloren haben.

Video: Dachbalken - Seilspannen mit Knoten Flaschenzug Technik

 

Ist das „Dachbalken“ Seil leicht abschüssig gespannt ist es schon mal leichter das Abfließen von eventuellem Regen zu begünstigen. In den meisten Fällen muss man aber noch ein bisschen nachhelfen um sicherzustellen das sich keine Wassersäcken bilden. Man kann zum Beispiel ein Paddel oder ein Dreibaum so unter der Folie platzieren damit man ein ordentliches Dach erhält. So etwas bringt dann aber auch eine Platz Einbusse unter dem Tarp mit sich. Wenn sich in unmittelbarer Nähe oberhalb der Folie noch ein geeigneter Ast / Baum befindet kann man auch die berühmte Riddengels Stein Technik anwenden (siehe weiter unten).

 

 Tarp abspannen

Zum Abspannen des Tarps kann man alle mitgeführten Seile uns Schnüre verwenden welche man auf der Tour dabei hat. Die komfortabelste Lösung sind hierbei allerdings die Schnallgurte bzw. Spanngurte welche wir auch zur Gepäcksicherung im Kanu verwenden (siehe: Schnallgurte - Seile - Leine - Bootsleine ). Diese zieht man durch die Schlaufen und Ösen des jeweiligen Tarps und kann mit Hilfe der Schnalle die Ecken sehr genau und einfach abspannen.

 Tarp abspannen Klemmschnalle Gurt

Bild: Tarp abspannen mit Gurt und Klemmschnalle

 

Tarp abspannen Schnallengurt 2

Bild: Tarp abspannen mit Gurt und Klemmschnalle

 

Die Riddengels Stein Technik

Hierzu sucht man sich einen kleinen (möglichst runden und nicht spitzigen) Stein und drückt diesen von Innen gegen das Zeltdach. Von Außen kann man nun eine Schlaufe um diesen Stein werfen und festziehen. Damit hat man nun die Möglichkeit das Zeltdach an der Schnur nach oben zu ziehen. Wirft man diese Schnur nun über einen geeigneten Ast über der Plane und spannt diese, ist man auf dem besten Wege ein Vorzeige- Tarp aufzubauen.

Bild: Stein von Innen an die Plane drücken

Bild: Von Aussen eine Schlaufe um den Stein wickeln

Bild: Zug nach oben um eine Schräge zu erzeugen

Bild: Dieses Dach ist kaum noch vom schwäbischen Eigenheim zu unterscheiden

Hinweise

  • Ein Dreibaum kann man unter Umständen auch als „Ecke“ für das Tarp verwenden.
  • Eine Tarp Größe von 4 x 5 Meter bei zwei Leuten bzw. 4 x 6 Meter bei einer 4 er Gruppe, hat sich die letzten Jahren bewährt und ist vollkommen ausreichend.

 

Tarp, Folie, Plane …. was denn jetzt?

Also bei allen Begriffen, geht es erst einmal um ein großes, wasserdichtes Tuch welches man zum Schutz gegen den Regen aufbauen kann. Bei Kanutouren, auf welchen man in den meisten Fällen auch ein wasserdichtes Zelt dabei hat, macht man dies hauptsächlich an einem zentralen Punkt des Lagerplatzes.

Geht man nun zum Outdoor Händler und erklärst ihm dies, bringt er einem ein Tarp und er verlangt  dafür 164,95 EURO. Das ist jetzt nicht der Standard Einheitspreis für ein Tarp, allerdings sind solche Preise nicht unüblich wenn man den derzeitigen Outdoor Markt kurz evaluiert (Stand: Sommer 2011). Geht man zum Baumarkt und fragt nach einer reißfesten, wasserdichten Abdeckplane bekommt man das selbe für 4,95 EURO. Es ist also zu vermuten das der Begriff "Tarp" von der Outdoor Industrie eingeführt wurde. Unter dem Begriff Abdeckplane wäre es wohl nicht mögliche die Dinger zum oben genannten Preis jemandem anzudrehen. Eine Abdeckplane vom Baumarkt ist für Kanutouren in den meisten Fällen absolut ausreichend. Eine Version vom Baumarkt kann man dann auch mal Zerschneiden wenn dies nötig sein sollte. Zum Beispiel um einen Zeltabschnitt abzudichten, Reparaturen durchzuführen oder spezial Projekte umzusetzen. So kann man die Gewebeplane auch dazu verwenden sich ein Spritzschutz für das Kanu zu basteln. Siehe: Spritzdecke für Canadier – MYOG – Selbstbau

Ebenso kann man beispielsweise ein Teil der Abdeckplane dafür opfern eine Kanu- Segel zu basteln.  Ein 1,5 mal 1,5 Meter großes Stück kann man da ruhig mal herausschneiden. Ok, man muss dann beim nächsten Wolkenbruch etwas näher zusammenrücken. Aber mit einem Kanusegel welches man sich mit Hilfe von starken Ästen oder den Ersatzpaddel gebaut hat wird das Seenpaddeln plötzlich zur wahren Freude. Da bringt man den 5 Kilometer Seeabschnitt mit nur 3 Paddelschlägen hinter sich und hält hinten das freie Paddel raus um die Richtung zu korrigieren. Bei einem Stückpreis von 5 Euro ist dies nicht ganz so schmerzhaft. Wer würde ernsthaft das Messer bei einem 100 Euro Tarp ansetzten um diesen Segeltörn mal kurzfristig zu erleben?

Die teurere Tarp Variante vom Outdoor Versandhandel hat unter anderen Gesichtspunkten durchaus ihre Daseinsberechtigung, wenn auch nicht unbedingt zu dem oft verlangtem Preis. Aufgrund des Materials haben diese Tarps ein viel geringeres Gewicht und Packmaß. In der Einleitung zum Thema Ausrüstung wurde allerdings schon einmal erläutert das man in diesen Bereichen bei einer Kanutour einen gewissen Spielraum hat, und man hier nicht immer minimalistisch denken muss. Aber natürlich gibt es Touren wo es durchaus auf jedes Gramm ankommt oder der Stauraum im Canadier bzw. vor allem im Kajak begrenzt ist. Mehrwöchige Touren, Kanutouren mit mit sehr langen Portagen usw. hier zählt plötzlich jedes Gramm. Nicht unwahrscheinlich ist es das man neben dem Kanuwanderen auch gerne länger Trekking Touren unternimmt. Den Wanderrucksack mit einer Baumarkt Plane zu bestücken wäre wirklich idiotisch und stehe in keinem Verhältnis zum Nutzten. Ein Tarp kann auch als Zelt Ersatz eingesetzt werden. Dies macht natürlich gerade auf Trekking Touren durch die enorme Gewichtseinsparung durchaus Sinn, allerdings könnte man sich als Alternative die hier überlegen:Hennessy Hammock . Es ist aber wie so oft bei der Ausrüstung, selten ist ein Produkt für „Alles“ genau das richtige. Somit gilt es die verschiedenen Vor- und Nachteil abzuwägen und für sich persönlich eine Entscheidung zu treffen. Im Zweifelswahl sollte man erst einmal mit der Baumarkt Variante anfangen.